Eine aufgebrachte Mutter wirft der Lehrkraft ihrer Tochter Rassismus vor – und die Lehrkraft muss im Chat deeskalieren, nachfragen, professionell bleiben. Was nach einer heiklen Situation aus dem Schulalltag klingt, war Teil eines Lehr-Lern-Szenarios: Die Mutter wurde von einer generativen KI gespielt, die Lehramtsstudierenden trainierten an ihr das Führen schwieriger Elterngespräche.

Ein internationales Forschungsteam um Anselm Böhmer, Marcella Dillig und Illie Isso von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg hat gemeinsam mit Partnern aus Rumänien, den USA, Australien und der Ukraine untersucht, wie Studierende diese Erfahrung verarbeiten – und welche Vorstellungen von KI dabei sichtbar werden. Im Mittelpunkt der Studie standen die Metaphern, mit denen 67 Lehramtsstudierende ihre Interaktion mit der KI beschrieben: Manche sprachen von ihr wie von einem Gesprächspartner mit eigener Persönlichkeit, andere nutzten sie als Werkzeug, als Lernmaterial oder beschrieben ihre strukturellen Grenzen.

Diese sprachlichen Bilder sind mehr als Stilfragen. Die Analysen zeigen, dass sie mit unterschiedlichen Formen der Reflexion über das eigene Lernen und die professionelle Entwicklung zusammenhängen. Studierende, die KI ausschließlich als soziales Gegenüber wahrnahmen, reflektierten vor allem ihre persönlichen Erfahrungen. Wer dagegen mehrere Perspektiven verband – KI als Gesprächspartner und zugleich als Werkzeug mit spezifischen Möglichkeiten und Grenzen –, bezog in der Reflexion häufiger auch die eigene Unterrichtspraxis, institutionelle Rahmenbedingungen und die Konsequenzen für das Lernen von Schülerinnen und Schülern ein.

Für die Gestaltung von Lehr-Lern-Umgebungen an Hochschulen liefern die Ergebnisse wichtige Impulse: Wenn die Vorstellungen der Lernenden bekannt sind, lassen sich KI-gestützte Übungsszenarien gezielter an ihre Ausgangslage anpassen – von sozial gerahmten Einstiegen bis hin zu Aufgaben, die professionelle Fragestellungen in den Vordergrund rücken. Das Team hat dazu bereits eine Trainingsplattform mit verschiedenen KI-Elternpersonas entwickelt und skizziert, wie sich diese künftig adaptiv an den Lernstand der Studierenden anpassen könnte.

Die Studie ist Open Access in der Fachzeitschrift Computers and Education: Artificial Intelligence erschienen und kann hier kostenlos heruntergeladen werden.